Am Anfang meiner Tätigkeit als "Zeremonienmeister" stand ein gemeinsamer Urlaub mit Freunden in der Bretagne. Wir waren eingeladen, unseren Sommerurlaub doch mit ihrem Hochzeitsfest zu verbinden.

Ihre Liebe fanden sie in diesem grandiosen Zusammenspiel von stürmischem Wind und weitem Meer, von kargen Felsen und blendendem Licht, von dunklen Wolken und einsamen Buchten - in dieser rauhen, erdigen Schönheit genau widergespiegelt. Sie erschien ihnen als heiliger Ort, hier wollten sie getraut werden.

Die Weite und das Licht der bretonischen Küste entsprach ihrem religiösen Selbstverständnis mehr als die Enge kirchlicher Liturgie. Sie wünschten sich gleichwohl eine Zeremonie, die verankert ist in etwas, das über uns Menschen hinausweist. Vor einer göttlichen Schöpfungsmacht wollten sie sich verneigen, ohne ihre Würde zu verlieren. Meine Freunde wünschten sich eine entsprechend gestaltete Zeremonie.

Würde ich die Herzen der Hochzeitsgäste mit Texten erreichen und über aussagekräftige Bilder, den Klang meiner Worte, einer überzeugenden körperlichen Präsenz und stimmungsvoller Musik zu einer symbolischen Wirklichkeit verdichten können? Und wie ließen sich die überlieferten menschlichen Werte Glaube, Liebe, Hoffnung als tragende Wirklichkeit bekräftigen?

Ich stand vor der Aufgabe, einen symbolischen Raum zu schaffen, der eine ganz eigene Ausstrahlung hat.
Ich hoffte, daß diese Wirklichkeit in einer gut vorbereiteten und gewissenhaft durchgeführten Zeremonie von selbst entsteht.

Aufgrund der positiven Resonanz der Gäste stand mein Entschluss fest: Ja, das ist die Arbeit, an der mein Herz hängt.